Rosengärten und Werwolfseiche
von Bettina Schack


Fast wären all die die großen Abende im Burgtheater ins Wasser gefallen. 1933 waren die Ausschachtungsarbeiten für einen Teich am Burgturm schon abgeschlossen, doch dann, so wusste Gisela Marzin am Dienstagabend im Rahmen der stadthistorischen Reihe von Heimatverein, VHS und Stadt Dinslaken zu berichten, gelang Baurat Nottebaum ein „Geniestreich“. Er stoppte seine eigenen Pläne von 1927 und errichtete statt der Wasserspiele die Freilichtbühne. Der Teich wurde weiter östlich angelegt und blieb dort bis er der nächsten Kulturstätte, der Stadthalle, weichen musste. Der abermals verlegte See ist heute als „Ententeich“ bekannt. Und liegt an einer Stelle, an der schon 1730 die Fische schwammen.

„Historische Park- und Grünanlagen“ stellte die Leiterin des Stadtarchivs im Dachstudio vor, angeregt wurde sie vom früheren Werbeslogan der „Stadt im Grünen“. Der war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht aus der Luft gegriffen, Dinslaken hatte seinen ländlichen Charakter noch nicht völlig verloren und rund um die Burg und Haus Bärenkamp dehnten sich weitläufige Parkanlagen aus. Entstammten sie einer viel älteren örtlichen Gartenbautradition? Gisela Marzin barg viele Urkunden, Karten und Fotos aus dem Archiv.

Bedeutende Beispiele mittelalterlicher oder barocker Gartenkunst waren in Dinslaken wohl nie zu finden. Gemüsegärten, Obstbäume, ein paar Blumenbeete drängten sich im Mittelalter zwischen den Mauern der Burg und der Stadt. Außerhalb mehrere Bürgergärten, einige wurden für die Vikarien von St. Vincentius gestiftet, manche noch bis um 1800 vom Kloster Sterkrade verpachtet. Der „Schweinchenstich“, die bekannte alte Stadtansicht von „Dynslacken“, weist auf die sumpfige Umgebung hin. Der Rotbach windet sich noch um die Burg, auffallend sind die hohen Bäume vor Turm und St. Vincentius. Später sind für das Kloster Marienkamp ein Kreuzgang und Gemüsegärten belegt. Auf einen Kräutergarten weise eine bis Neuss gefragte Salbe aus eigener Herstellung hin, zitiert Gisela Marzin Willi Dittgen.

Romantisch beschreibt Margarete Böing 1917 die Rosenbeete und Bäume rund um den efeuumrankten Voswinckelshof. Durch den Garten floss der Rotbach, weiße Brücken hätten ihn überspannt. Noch üppiger wuchs die Vegetation um das 1896 von der Familie Maas umgebaute Haus Bärenkamp inmitten des größten Park der Stadt. Am Pollenkamp öffnete gar für kurze Zeit ein Zoo seine Pforten. Und wem die Tiere dort nicht wild genug waren, der konnte sich ganz in der Nähe unter der Werwolfseiche gruseln.